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Eine spektakuläre Saison ohne Happy-End

Als sich die Adler Anfang August 2011 zum allerersten Mal auf dem Eis in der Nebenhalle-Süd trafen, konnte noch keiner ahnen, welch spektakuläre und ereignisreiche Saison das Team vor sich haben würde. So wird die Saison 2011/12 sicherlich noch längere Zeit in Erinnerung bleiben, auch wenn die Krönung am Ende leider ausblieb.

Dennoch war der Auftritt des Teams vom ersten Tag vielversprechend, obwohl vor der Saison gleich acht neue Spieler gekommen waren. Darunter waren auch die beiden amerikanischen Verteidiger Steve Wagner und Jaime Sifers, die vorher noch nie in Europa gespielt hatten. Die Integration klappte dennoch reibungslos. Die Stimmung in der Kabine war positiv und optimistisch, was sich auch in den ersten Spielen der European Trophy auf dem Eis zeigte.

Mit einem Sieg in Wien und zwei weiteren Siegen gegen Brünn und Pardubice in Salzburg starteten die Adler ins Turnier und präsentierten sich früh in Spiellaune. Dass die Blau-Weiß-Roten dennoch nicht zum Endturnier nach Salzburg reisen konnten, lag an den drei Niederlagen bei den schwedischen Topteams Linköping, Jönköping und Färjestad. Einem Sieg in Liberec folgte allerdings im letzten Spiel gegen Slavia Prag mit 3:5 eine Niederlage, die das Aus bedeutete. Dennoch hatte das Turnier einen sehr positiven Eindruck bei allen Fans und Verantwortlichen hinterlassen. Das Team präsentierte sich engagiert und zielstrebig.

Unter besonderer Beobachtung in den ersten Spielen stand Christoph Ullmann, der nach vier Jahren in Köln an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt war. Die Frage, ob er die großen Erwartungen erfüllen wird können, beantwortete sich schnell positiv.

Erster Erfolg gegen Berlin

Der gute Eindruck der Pre-Season bestätigte sich auch zu Beginn der DEL-Saison. Zwar wurde das erste Saisonspiel bei starken Hamburg Freezers mit 2:4 verloren, doch bereits im ersten Heimspiel wurde Krefeld mit 3:1 besiegt. Im Tor stand an diesem Sonntag aber nicht Stammtorhüter Fred Brathwaite, sondern Felix Brückmann. Brathwaite hatte muskuläre Probleme und wurde in dieser Zeit vorzüglich vom jungen Backup vertreten. Mit tollen Paraden erarbeitete sich Brückmann schnell das Vertrauen seiner Mitspieler und der Fans.

Mit Brückmann im Kasten starteten die Adler einen wahren Siegeslauf von sieben Siegen in Folge, der schließlich die verdiente Tabellenführung brachte. Darunter war auch ein starkes 4:2 gegen den amtierenden Meister Berlin, bei dem die Adler einen 0:2-Rückstand aus dem ersten Drittel noch in einen Sieg umwandeln konnten. Die Eisbären waren es aber auch, die die Siegesserie der Adler stoppten. Mit einer knappen Niederlage nach Penaltyschießen im Gepäck reiste das Team wenige Wochen später aus Berlin zurück.

Nach den ersten Spielen hatte Manager Teal Fowler noch einen weiteren Verteidiger nach Mannheim geholt: Der Kanadier Shawn Belle überzeugte in seinem Try-Out und etablierte sich mit seiner körperlichen Spielart schnell. Doch nicht nur auf, sondern auch neben dem Eis, sorgte der 26-Jährige für eine positive Stimmung und wurde mit der Zeit zu einem wichtigen Pfeiler des Teams.

Die Buffalo Sabres zu Gast in der SAP Arena

2010 gastierten die San Jose Sharks in der SAP Arena, im Oktober 2011 waren es die Buffalo Sabres, das NHL-Team des Ur-Mannheimers Jochen Hecht. Zwar konnte der 35-Jährige Stürmer wegen den Nachwirkungen einer schweren Gehirnerschütterung nicht am Spiel teilnehmen, doch ließ er es sich nicht nehmen, vor „seinem“ Publikum mehrere Ehrenrunden vor dem Spiel zu drehen.

Ein großartiges Highlight dieses Abends war die Verabschiedung von René Corbet. Der inzwischen 39-jährige Stürmer und Mitglied des Meisterteams von 2007 kam zu seinem Abschiedsspiel extra nach Mannheim gereist und wurde unter dem tosenden Applaus der 13.600 Zuschauer geehrt. Ein emotionaler Videozusammenschnitt seiner Highlights aus acht Adler-Jahren sorgte nicht nur bei vielen Fans für feuchte Augen. Sichtlich bewegt zog Corbet zusammen mit den Adler-Verantwortlichen schließlich sein Trikot mit der Nummer 20 unter das Dach der SAP Arena und reihte sich ein in die ganz Großen der Mannheimer Eishockey-Historie.

Das Spiel gegen die Sabres endete mit einem 8:3 für die Gäste aus Buffalo. Die Tore für die Adler erzielten Yannic Seidenberg, Jaime Sifers und Mike Glumac, wobei das Ergebnis an diesem beeindruckenden Abend eher im Hintergrund stand.

Unglaublicher Sieg gegen die DEG

Zurück im Ligaalltag erlebten die Zuschauer am 14. Oktober 2011 in der SAP Arena eines der denkwürdigsten Spiele der Clubgeschichte. Was sich an diesem Tag auf dem Eis abspielte, lässt sich nur schwer in Worte fassen. In einem mitreißenden Spiel zeigten die Adler viel Charakter und drehten in der Schlussphase einen 4:6-Rückstand innerhalb von gerade einmal drei Minuten in einen 8:6-Sieg. Die Arena zitterte in ihren Grundfesten und die Fans gerieten völlig aus dem Häuschen. Doch dieses Spiel sollte nicht das einzige denkwürdige Spiel bleiben.

Einen großen Anteil am Erfolg des Teams hatte neben Ullmann ein weiterer Neuzugang aus Köln. Chris Lee avancierte in vielen Spielen zum großen Matchwinner, in dem er entweder die entscheidende Tore vorbereitete oder sogar selbst vollstreckte. Da war es kein Wunder, dass die Konkurrenz im In- und Ausland schnell hellhörig wurde. Lange Zeit war Lee der Topscorer der Adler und wurde erst gegen Ende der Hauptrunde von Stürmer Adam Mitchell vom Spitzenplatz verdrängt.

Im November 2011 durchlebten die Adler die erste Negativserie. In sieben Matches unterlagen die Cracks von Harold Kreis sechs Mal. Pünktlich zum „Teddy Bear Toss“ gelang dann aber gegen den EHC München wieder ein Sieg.

In der Zeit vor Weihnachten hatten die Adler wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden. Sieben Siege gelangen in Serie, die erst im „Spiel der leuchtenden Herzen“ gegen Hamburg zu Ende ging. Einziger Wehrmutstropfen in dieser Zeit: Center Craig MacDonald verletzte sich beim Spiel in Wolfsburg schwer am Kreuzband. Nach einer langen Rehazeit konnte der 34-Jährige erst kurz vor den Playoffs wieder ins Spielgeschehen eingreifen. Für ihn wurde bis dahin ein alter Bekannter verpflichtet: Niko Dimitrakos kam wie im letzten Jahr zu den Adlern und ersetzte den verletzten MacDonald so gut es ging.

Dramatischer Jahresausklang gegen Ingolstadt

Das Jahr 2011 endete sportlich mit einem Paukenschlag. Im Heimspiel gegen die Ingolstadt Panther am 30. Dezember stand es fünf Minuten vor Schluss 2:2 –Unentschieden. Zweifelhafte und strittige Schiedsrichterentscheidungen hatten während des gesamten Spiels für Unmut und Unruhe auf den Rängen gesorgt. Nachdem dann Jaime Sifers eine Strafe erhielt und die Adler in doppelter Unterzahl spielen sollten, entlud sich der Ärger auf den Tribünen in Form von Geldstücken, die aufs Eis flogen. Schiedsrichter Ulpi Sicorschi schickte die Teams in die Kabinen und ließ neues Eis machen. Als es nach dieser Zwangspause weiterging, überstanden die Adler die Unterzahl und schlugen mit drei Toren in zwei Minuten zurück: Ken Magowan traf gleich zwei Mal und Ronny Arendt verwandelte ins leere Ingolstädter Tor zum Endstand. Die Arena bebte, das Band zwischen Mannschaft und Fans war endgültig wieder zusammengefügt.

Am 15.Januar 2012 schlugen die Adler die Eisbären Berlin mit 5:2. In einer harten Partie spielten die Adler erneut mitreißendes Eishockey, schossen sehenswerte Tore und gewannen am Ende hochverdient. Neben den tollen Spielzügen, blieb besonders der Boxkampf zwischen Shawn Belle und Sven Felski, der nach einem hässlichen Foul an Yannic Seidenberg Belles Wut zu spüren bekam.

In der Schlussphase waren die Ergebnisse nicht konstant genug, um die Spitzenposition in der DEL zu erkämpfen. Am Ende der Hauptrunde stand mit dem vierten Rang allerdings dennoch ein sportlich ordentliches Ergebnis. Im Viertelfinale warteten nun die Hamburg Freezers auf die Adler.

Adler schalten Freezers und Panther in den Playoffs aus

Am 21. März starteten die Adler mit einem 4:0-Sieg in die Playoffs 2012. Das Team dominierte das Spiel, war aber noch lange nicht am Maximum angelangt. Spiel 2 der Serie, dieses Mal in Hamburg, gestalteten die Adler sehr souverän, gewannen 8:1. Doch es folgte der Dämpfer auf eigenem Eis – 1:2. Die Adler schlugen in Hamburg allerdings gleich wieder zurück, gewannen 3:1 und erspielten sich so den ersten „Matchball“ in der Best-of-seven-Serie. Der noch fehlende Sieg konnte mit einem 3:1 auf eigenem Eis sichergestellt werden.

Im Halbfinale warteten nun die Panther aus Ingolstadt, die die DEG Metro Stars im Viertelfinale ausgeschaltet hatten. Gleich das erste Auswärtsspiel in Ingolstadt gewannen die Adler dank einer kompakten und konzentrierten Leistung mit 4:1. Als sich die Adler auch im Heimspiel zwei Tage später knapp mit 4:3 durchsetzen konnten, schien das Tor ins Finale weit geöffnet. Doch Ingolstadt zeigte noch einmal alles und gewann das dritte Halbfinale mit 3:0. Der Vorteil lag weiterhin bei den Adlern und den nutzten sie: Mit 6:2 entschieden Marcus Kink & Co. das Spiel und auch die Serie für sich.

Dramatisches Finale gegen die Eisbären

Das DEL-Finale 2012 wird sicherlich als eines der spannendsten und mitreißendsten aller Zeiten in die Geschichte des deutschen Eishockeys eingehen. Schon die Duelle der Hauptrunde waren teils hochklassig und immer spannend. Die Adler hatten die große Chance, den sechsten DEL-Titel der Vereinsgeschichte einzufahren und damit alleiniger Rekordhalter zu werden.

Im ersten Aufeinandertreffen in der Berliner o2-World behielten jedoch zunächst die Eisbären die Oberhand. Mit 2:0 siegten die Hauptstädter und gingen in der Serie mit 1:0 in Führung. Doch die Adler schlugen eindrucksvoll zurück. 4:1 hieß es am 18. April 2012 in der ausverkauften SAP Arena.

Das dritte Match in Berlin war dann an Spannung kaum zu überbieten. 1:1 hieß es zehn Minuten vor Ende des Spiels, ehe Yanick Lehoux sein zweites Tor an diesem Abend erzielte. Diesen knappen Vorsprung brachten die Blau-Weiß-Roten über die Zeit und hatten nun alle Trümpfe in der Hand.

Der 22. April 2012 hätte die Entscheidung bringen können. Doch der Abend verlief anders als geplant. Zwar hatte Craig MacDonald in der 46. Minute gerade das 5:2 für die Adler erzielt, doch die Eisbären schlugen postwendend zurück. Nur zehn Sekunden dauerte es, bis Sharrow sein Team wieder ins Spiel bringen konnte. Danach hatten die Eisbären Blut geleckt und mobilisierten die letzten Kräfte. In dieser Phase ging es Schlag auf Schlag. Tallackson und T. Mulock schafften tatsächlich noch den Ausgleich und bewiesen auch in der Verlängerung den längeren Atem. In der 64. Minute traf TJ Mulock zum 6:5.

So entschied sich alles am 24. April 2012 in Berlin. Und das Spiel begann furios für die Adler. Ronny Arendt traf für Mannheim und schürte die Hoffnungen bei den Adlerfans. Doch die Berliner kamen immer besser ins Spiel. Tallackson erzielte in der 34. Minute den Ausgleich und Darin Olver legte in der 45. Minute nach. Nun warfen die Adler alles nach vorne, doch es sollte nicht mehr reichen. Bei einem Konter musste Shawn Belle die Notbremse ziehen und es gab Penalty für Berlin. Diesen verwandelte Talbot in der 51. Minute und machte Berlin so zum Meister.

Trotz der großen Enttäuschung um den verpassten Titel zeigte das Team auch in der Niederlage Größe. Die Mannschaft blieb eine Einheit und auch die Fans waren stolz auf ihr Team. Beim Empfang im Rathaus und bei der Abschiedsparty etwas später feierten viele Adlerfans ihr Team. Diese Anerkennung hatte sich die Mannschaft über die gesamte Saison erarbeitet und auch verdient.

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