History

Bitteres Ende schmerzt – Aber nicht alles war verkehrt

Wie auch schon in den Jahren zuvor starteten die Adler im August mit der Teilnahme an der European Trophy in die Saison 2012/2013. In Finnland begann die Saison mit den beiden Gastspielen bei HIFK und Jokerit, die mit einer Niederlage zum Auftakt und einem Penalty-Sieg gegen Jokerit endeten. Doch die weiteren Gegner in der schwersten Gruppe der Trophy verhinderten einen Einzug ins Finalturnier im Dezember. Färjestads BK mit Ex-Adler Chris Lee und die Frölunda Indians gewannen in der SAP Arena, das Gastspiel in Zürich ging ebenso verloren wie die Auswärtspartie beim Ligakonkurrenten ERC Ingolstadt, so dass schon früh feststand, dass das Spiel im Oktober gegen den EV Zug nur noch statistischen Wert hatte. Aber immerhin beendeten die Adler die European Trophy mit zwei Heimsiegen gegen Ingolstadt und Zug.

Was in der Trophy noch nicht funktionierte, klappte zum Ligastart dann umso besser. Mit fünf Siegen aus sechs Spielen starteten die Cracks von Headcoach Harold Kreis in die Saison und setzten sich von Beginn an in der Spitzengruppe fest. Dort sollten sie mehr oder weniger die gesamte Vorrunde über verweilen. Das 6:1 im ersten Heimspiel gegen die Berliner Eisbären, gegen die Monate zuvor die Meisterschaft noch sehr unglücklich verspielt worden war, war eines der ersten Ausrufezeichen der Adler 2012/13. Bis zur Deutschland Cup-Pause im November konnten die Adler trotz massiven Verletzungspechs den Platz in der Spitze behaupten. Helfend kam hier der Lockout in der NHL hinzu, der den Adlerfans ein Gastspiel der ehemaligen Adler Dennis Seidenberg und Marcel Goc schon ab Oktober bescherte. Mit ihrer Klasse halfen sie dem Team über lange Verletzungsmiseren hinweg und drückten dem Spiel ihren Stempel auf. Mit Dennis Seidenberg, der bei den Boston Bruins nicht nur zum Stanley Cup-Sieger gereift war, sondern zu einem der besten Verteidiger weltweit, stand mit Sicherheit der beste Verteidiger zur Verfügung, der jemals auf Mannheimer Eis zu sehen war.

Ob Ken Magowan, Christoph Ullmann, Matthias Plachta, Denis Reul, Steven Wagner, Shawn Belle oder Doug Janik, sie alle fielen wochen- teils monatelang aus. Dass es zu keinem Einbruch kam, hatten die Adler ihren NHL-Imports zu verdanken, die im Dezember noch durch Buffalos Kapitän Jason Pominville und den Mannheimer Jochen Hecht Verstärkung erhielten. Als mal alle vier auf dem Eis standen, kamen nicht nur die Fans ins Schwärmen. Im Dezember erlebten die Adlerfans sicher das beste und hochklassigste Eishockey, das in den letzten Jahren in der SAP Arena zu sehen war. Allein das erste Drittel beim "Spiel der Herzen" am 21. Dezember gegen die Krefeld Pinguine war sein Eintrittsgeld wert. Mit 5:0 schickten die Mannheimer die Krefelder in die erste Pause, womit der Gegner allerdings noch bestens bedient war. Hätte es acht oder gar neun zu null gestanden, niemand hätte sich beschweren können.

Bis zur Unterbrechung durch den Spengler Cup hatten die Adler genug Punkte gesammelt, um in der Tabelle nicht durchgereicht zu werden. Ein Erlebnis in Davos war das erste Spiel gegen das mit NHL-Stars besetzte Team Kanada. Lange Zeit führten die Adler mit 1:0, ehe sie im Schlussabschnitt doch noch den Ausgleich hinnehmen mussten. Doch Jason Pominville in der Overtime machte den Adlersieg perfekt und jubelte mit den Fans über diesen grandiosen Sieg.

Nach der Rückkehr aus Davos kristallisierte sich heraus, dass die NHL ihren Spielbetrieb spätestens Ende Januar aufnehmen würde. Endgültig fiel die Entscheidung in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar, als die Adler zwischen zwei Auswärtsspielen in Nürnberg übernachteten. Jason Pominville und Dennis Seidenberg reisten sofort ab, Marcel Goc, der verletzungsbedingt nicht in Nürnberg dabei war, packte ebenfalls, und Jochen Hecht erhielt in der Folgewoche ein weiteres Angebot aus Buffalo, so dass die "Normalität" wieder Einzug hielt. Dennoch marschierten die Adler weiter und hielten sich mit den Kölner Haien an der Spitze. Der Kampf um den ersten Platz hätte nicht spannender inszeniert werden können. Am letzten Spieltag kam es im Fernduell zum Showdown. Beide Teams lagen punktgleich an der Spitze, es musste also "nur" gewonnen werden. Doch der ERC Ingolstadt erwies sich als der erwartet schwere Gegner und hielt lange dagegen. Eine Minute vor Schluss stand es 2:2, während die Haie gegen Wolfsburg den Dreier eingefahren hatten. Ken Magowan war es schließlich, der 59 Sekunden vor dem Ende den Siegtreffer erzielen konnte. Die über 12.000 Fans in der SAP Arena feierten den Sieg, den Mike Glumac per Empty-Net-Treffer noch auf 4:2 erhöhen konnte, ausgiebig und freuten sich über den ersten Platz nach der Vorrunde.

Was danach allerdings geschah, wollte in dieser Form niemand wahr haben. Einem Kurztrainingslager folgten einige Trainingstage, ehe am 20. März die Playoffs begannen. Nur zehn Tage später waren sie allerdings für die Adler beendet. Die Grizzly Adams Wolfsburg setzten sich in sechs Spielen durch und warfen die favorisierten Adler aus dem Rennen. Der Frust über diese Niederlage saß tief, doch die Adler-Verantwortlichen um Daniel Hopp behielten die Ruhe, analysierten die Situation und trafen Entscheidungen, die allen Fans und Partnern der Adler die Sicherheit geben können, dass es auch in den nächsten Jahren erfolgreiches Eishockey in der SAP Arena zu sehen gibt.

Star der Saison

Auch wenn er in den Playoffs nicht mehr an seine Form der Vorrunde anknüpfen konnte, war Yannick Lehoux der Ausnahmespieler der Adler. In 52 Vorrundenspielen sammelte der Franko-Kanadier 57 Punkte (20 Tore/37 Vorlagen), wovon viele spielentscheidend waren. Auch hatte er 24 Punkte mehr gesammelt als Adam Mitchell auf dem zweiten Platz, was seine Ausnahmestellung untermauerte.

Gewinner der Saison

Dominik Bittner kehrte im vergangenen Sommer nach seinem einjährigen Gastspiel in der kanadischen Juniorenliga zurück und sollte nun Spielpraxis in der DEL sammeln. Doch es wurden am Ende inklusive der Playoffs 47 Spiele für den Youngster, der mit seiner Kompromisslosigkeit Eindruck hinterließ und sich in den Top-Sechs der Adler-Verteidiger einen Platz erarbeitet hatte. Er ist ganz eindeutig der Rookie der Saison 2012/2013.

Moment der Saison

Es gab viele sportliche Momente, ob das erste Drittel gegen Krefeld, der Overtime-Sieg gegen Team Kanada in Davos, der 6:1-Auftakterfolg gegen die Eisbären Berlin, der Last-minute-Sieg gegen Ingolstadt oder das European Trophy Spiel gegen Zug mit Hendrik Zetterberg und anderen gegen die Adler-NHL-Stars. Doch der Moment der Saison fand schon vor dem ersten Bully eines Spieles statt. Bei der Traditional Night gegen die Kölner Haie, wurden mit Werner "Patschek" Lorenz, Kurz Sepp und Bruno Guttowski drei ganz Große der 50er und 60er Jahre geehrt und ihre Rückennummern # 2, # 10 und #12 gesperrt und die Banner unter das Hallendach der SAP Arena gezogen. Als ihre ehemaligen Weggefährten das Eis der Mannheimer SAP Arena betraten, kannte die Begeisterung auf den Rängen kaum noch Grenzen. Und das, obwohl die meisten der heutigen Fans die größtenteils über 70- und manche sogar über 80-Jährigen nie haben spielen sehen. Doch an jenem Abend war sie greifbar, die große 75-jährige Tradition der Eishockeystadt Mannheim.

Enttäuschung der Saison

Die zehn Tage zwischen dem 20. und 30. März werden in der Rangliste der Playoff-Enttäuschungen einen Platz ganz weit oben einnehmen. Mit vier Niederlagen aus sechs Spielen mussten die als Favorit in die Playoffs gestarteten Adler gegen den nach der Vorrunde zehntplatzierten EHC Wolfsburg die Segel streichen.

Extra der Saison

Eine einmalige und in dieser Form noch nie dagewesene Ausstellung zur Geschichte des Mannheimer Eishockeys war von November 2012 bis April 2013 in den Räumen der Reiss Engelhorn Museen zu sehen. 75 Jahre Eishockeygeschichte, verpackt und präsentiert auf rund 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Rund 10.000 Besucher kamen und staunten über Zahlen, Daten, Fakten, Exponate, die sie so und in dieser Form noch nie zu Gesicht bekommen hatten.

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