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Das Ende einer Leidenszeit – Adler holen siebten Titel der Clubgeschichte

Mit neuer Energie, frischem Elan und einigen neuen Gesichtern starteten die Adler Anfang August in die 21. DEL-Saison, die zehnte in der Mannheimer SAP Arena. Die Verantwortlichen um Geschäftsführer Daniel Hopp und Manager Teal Fowler hatten im Sommer einige tiefgreifende Einschnitte im sportlichen Bereich vorgenommen, die sich – wie wir heute wissen – am Ende einer langen und nervenaufreibenden Saison bezahlt machen sollten.

Insgesamt sieben neue Spieler lotste die sportliche Leitung in die Quadratestadt, um das Team in allen Mannschaftsteilen punktuell zu verstärken. Der Königstransfer gelang den Adlern jedoch zweifelsohne mit der Verpflichtung von Trainer Geoff Ward. Gemeinsam mit seinen Assistenten Jay Leach und Craig Woodcroft, die das Trainerteam der Adler komplettierten, verpasste der ehemalige Stanley-Cup-Sieger von 2011 der Mannschaft eine völlig neue Identität. Eine Identität, die sich in einer offensiv ausgerichteten Spielweise, einem respektvollen Umgang miteinander sowie einem stark ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl widerspiegelte.

Der Start in die neu gegründete Champions Hockey League brachte zwar nicht auf Anhieb die Ergebnisse, die sich die Adler erhofft hatten, aber die gezeigten Leistungen und die kontinuierliche Entwicklung der Mannschaft hinterließen bei Verantwortlichen und Fans einen äußerst positiven Eindruck. Der europäische Clubwettbewerb diente letztlich als perfekter Aufgalopp für eine erfolgreiche Spielzeit, die am 12. September 2014 mit dem Heimspiel gegen den amtierenden Meister ERC Ingolstadt begann und am 22. April 2015 in Ingolstadt mit dem Titelgewinn ihren meisterlichen Höhepunkt fand.

Ausgeglichenheit das größte Pfund

Von Beginn an dominierten die Adler die Liga fast nach Belieben. Mit acht Siegen aus den ersten zehn Partien katapultierte sich die Mannschaft in Windeseile an die Tabellenspitze und lieferte sich danach über mehrere Wochen hinweg ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem EHC Red Bull München um den Platz an der Sonne. Bereits in der Frühphase der Saison stach der beispiellose Charakter dieser eingeschworenen Einheit heraus. Die Adler gerieten ein ums andere Mal in Rückstand, kämpften sich jedoch immer wieder energisch zurück und schafften es, bereits verloren geglaubte Spiele zu drehen und siegreich zu gestalten – die Comeback-Qualitäten waren schlicht und ergreifend beeindruckend und sollten im weiteren Saisonverlauf noch eine tragende Rolle einnehmen. Doch das größte Pfund, mit dem die Adler in dieser Saison wuchern konnten, war die Ausgeglichenheit. Ein perfekt harmonierendes und zuverlässiges Torhütergespann, das der Mannschaft zu jedem Zeitpunkt den nötigen Rückhalt gab, eine kompakt stehende Defensive, die auch in der Offensive Akzente setzen konnte, und ein brandgefährlicher Angriff, der die gegnerischen Formationen mächtig durcheinander wirbelte, machten die Adler 2014/15 zu einer schwer auszurechnenden Mannschaft. Die Konkurrenz fand selten ein probates Mittel, um die furios und dynamisch aufspielenden Mannheimer zu stoppen.

Gravierende Leistungsschwankungen gab es in dieser Spielzeit kaum. Das Team agierte über Wochen und Monate konstant auf einem sehr hohen Niveau und riss nicht nur die eigenen Fans in der SAP Arena mit einer erfrischenden und aggressiv-offensiven Spielweise von den Sitzen, sondern heimste auch den Respekt der Konkurrenz ein. Wie kein zweites Team der Liga verstanden es die Adler, auf eine Niederlage stets die passende Antwort zu geben. Bis Anfang Januar hatte die Mannschaft gar das Kunststück fertiggebracht, keine zwei Spiele in Folge zu verlieren. Doch ab diesem Zeitpunkt geriet der so souverän agierende Tabellenführer gelegentlich ins Straucheln, Siege und Niederlagen wechselten sich auf der Zielgeraden der Hauptrunde in schöner Regelmäßigkeit ab. Trotz des kurzzeitigen Formtiefs sicherten sich die Adler mit 107 Punkten den X-TiP-Hauptrundensieg und damit das Heimrecht in allen Playoff-Runden.

Adler schalten Ice Tigers im Viertelfinale aus

Im Viertelfinale bekamen es die Mannheimer mit den Thomas Sabo Ice Tigers zu tun, die sich in den Pre-Playoffs mit 2:1-Siegen gegen die Eisbären aus Berlin durchgesetzt hatten. Die Adler gewannen Spiel eins denkbar knapp mit 2:1 und sicherten sich in einem weitestgehend überlegen geführten Auftakt-Match den ersten von vier notwendigen Siegen zum Weiterkommen. Der erste Dämpfer folgte jedoch nur zwei Tage später. Trotz phasenweise drückender Überlegenheit und einer 2:1-Führung kassierten die Adler im Schlussabschnitt zwei Gegentore und am Ende die erste Playoff-Niederlage 2015. Sichtlich verärgert über diese unnötige Pleite kamen die Ward-Schützlinge in Spiel drei, diesmal wieder in Mannheim, mit einer Menge Wut im Bauch aufs Eis und fegten die Franken klar mit 6:1 aus der SAP Arena. Der X-TiP-Hauptrundensieger war endgültig in den Playoffs angekommen, gewann auch das vierte Duell souverän mit 3:0 und erspielte sich so den ersten Matchball in der Best-of-Seven-Serie. Den Einzug in die Vorschlussrunde machten die Adler schließlich durch einen 4:3-Sieg nach Verlängerung auf heimischem Eis perfekt.

Geschichtsträchtiges Halbfinale gegen Wolfsburg

Das Halbfinale 2015 zwischen den Adlern und den Grizzly Adams Wolfsburg wird als eines der verrücktesten aller Zeiten in die Geschichte des deutschen Eishockeys eingehen, denn was sich in dieser Serie abspielte, lässt sich nur schwer in Worte fassen. In Spiel eins führten die Niedersachsen bis kurz vor Ende des zweiten Drittels mit 4:1, und die Adler schienen fast schon aussichtslos hinten zu liegen. Doch Marcus Kink & Co. legten noch vor der zweiten Drittelpause den Schalter um, starteten eine furiose Aufholjagd und krönten diese in der Verlängerung mit dem 5:4-Siegtreffer durch Jon Rheault.

Im zweiten Aufeinandertreffen sollte der Halbfinal-Wahnsinn seinen Lauf nehmen. Nach nicht einmal zehn gespielten Minuten lagen die Adler erneut mit drei Toren im Hintertreffen, und alles sah nach einem Wolfsburger Sieg aus. Nur die kühnsten Optimisten hatten in diesem Moment daran geglaubt, dass es möglich sei, diesen Drei-Tore-Rückstand zum zweiten Mal in Folge zu drehen. Doch die Adler machten tatsächlich das Unmögliche möglich und entschieden Spiel zwei der Serie mit 5:3 für sich. Lediglich im dritten Match ersparten die Adler ihren Fans eine Achterbahnfahrt der Gefühle, gewannen nach einer souveränen Leistung klar mit 4:0 und holten sich drei Matchbälle.

In einem erneut dramatischen und denkwürdigen Spiel vier brachten Matt Dzieduszycki, Norm Milley und Sebastian Furchner die gastgebenden Niedersachsen mit 3:0 in Front, doch Matthias Plachta erzielte kurz nach Beginn des letzten Drittels den Anschlusstreffer. Danach hatten die Adler Blut geleckt und bündelten die letzten Kräfte, mit Erfolg. Jochen Hecht und Kurtis Foster sorgten binnen fünf Minuten für den Mannheimer Ausgleich, und als alle mit den Gedanken schon in der Verlängerung waren, schoss Kai Hospelt seine Wolfsburger Ex-Kollegen in den Sommerurlaub und die Adler ins Finale. Andrew Joudreys Treffer zum 5:3-Endstand ins verwaiste Grizzly-Gehäuse hatte nur noch statistischen Wert – der „Sweep“ war perfekt, und die Adler stürmten ins Finale um die deutsche Meisterschaft.

Adler krönen eine tolle Saison mit dem Titelgewinn

Die Adler hatten nun die große Chance, das Final-Trauma von 2012 endgültig ad acta zu legen und den sechsten DEL-Titel der Vereinshistorie nach Mannheim zu holen. In einer ebenso dramatischen wie mitreißenden Finalserie zwischen den zwei besten Mannschaften der 21. DEL-Saison erwischten die Adler gegen den amtierenden Meister ERC Ingolstadt den besseren Start. Nach 60 hart umkämpften Spielminuten stand ein leistungsgerechtes 1:1-Unentschieden auf dem Videowürfel der SAP Arena, sodass gleich im ersten Duell am 10. April 2015 die Verlängerung über Sieg oder Niederlage entscheiden musste. In dieser hatten dann die Adler das glücklichere Ende auf ihrer Seite. Ronny Arendt schaltete nach einem gewonnenen Bully in der Angriffszone am schnellsten und überwand Timo Pielmeier im Tor der Gäste per „Rückhandwurstsemmel“ zum viel umjubelten 2:1.

Aus unerklärlichen Gründen ließen die Adler in Spiel zwei und drei so ziemlich alle Tugenden vermissen, die sie während der gesamten Saison ausgezeichnet hatten. Die Ingolstädter hingegen präsentierten sich zwei Tage nach der knappen Auftaktniederlage hochkonzentriert, glichen die Serie durch einen 5:2-Heimsieg aus und holten sich am 14. April 2015 durch das 6:1 in der SAP Arena den Heimvorteil auf ihre Seite.

Diese beiden schmerzhaften Niederlagen ließen die Stimmung und die Hoffnungen auf den Titel kurzzeitig auf den Nullpunkt sinken. Doch es waren erneut die Comeback-Qualitäten und der einmalige Charakter der Mannschaft, die die Adler zurück in die Erfolgsspur brachten. Dem 6:2-Auswärtssieg beim ERC Ingolstadt folgte ein 3:1 in der ausverkauften SAP Arena. Damit hatten die Adler bereits im sechsten Aufeinandertreffen alle Trümpfe in der Hand und der Titel war zum Greifen nah.

Der ERC Ingolstadt warf am 22. April 2015 noch einmal alles in die Waagschale, um ein entscheidendes siebtes Spiel in dieser Finalserie zu erzwingen. Doch die Adler präsentierten sich an jenem Mittwochabend überaus souverän, gewannen das sechste Finalspiel in Ingolstadt mit 3:1 und feierten den sechsten DEL-Titel der Vereinsgeschichte. Die acht Jahre lange Leidenszeit hatte endlich ein Ende.

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