12.02.2026

Kälble: „Werde dieses Gefühl nie vergessen“

Kälble: „Werde dieses Gefühl nie vergessen“

Olympia 2026 in Mailand und Cortina ist in vollem Gange, seit dem gestrigen Mittwoch läuft auch das mit 148 NHL-Spielern hochkarätig besetzt Eishockey-TurnierNeben Maximilian Franzreb, Leon Gawanke, Marc Michaelis, Alexander Ehl und Justin Schütz ist auch der gebürtige Mannheimer Lukas Kälble mit von der Partie. Im Interview spricht der Verteidiger über den Moment der Nominierungden Einmarsch ins San Siro sowie die Gruppe mit Dänemark, Lettland und den USA.  

Nimm uns noch einmal kurz mit: Was ging dir durch den Kopf, als du von der Nominierung erfahren hast? 

Es war ein unglaublich schöner Moment, der mit Stolz erfüllt hat. Die Teilnahme an Olympischen Spielen war schon immer eines meiner großen Ziele. Als der Anruf kam, war die Freude riesig und ich habe sofort gespürt, welche Bedeutung das hat. Solche Augenblicke vergisst man nicht. Direkt danach habe ich meine Familie angerufen, um diesen Moment mit ihnen zu teilen. Das hat das Ganze noch einmal emotionaler gemacht. 

Gibt es ein Olympia-Ereignis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Definitiv die Silbermedaille 2018 in Pyeongchang. Damals war ich im College und habe die Spiele live verfolgt und natürlich intensiv mitgefiebert. Besonders beeindruckt haben mich die mannschaftliche Geschlossenheit und dieser unbedingte Wille. Man hat gemerkt, wie sehr jeder für den anderen gekämpft hat. Diese Energie und dieser Zusammenhalt sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben. 

Beschreib uns doch mal das Gefühl, als du bei der Eröffnungszeremonie ins San Siro einmarschiert bist und die ganze Welt zugeschaut hat. 

Der Moment, als wir in die Arena eingelaufen sind, war überwältigend. Ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut. Überall Lichter, überall Menschen, und man weiß in diesem Augenblick gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Man spürt die Bedeutung dieser Veranstaltung und die Aufmerksamkeit, die auf diesem Ereignis liegt. Dieses Gefühl lässt sich kaum in Worte fassen und wird mir für immer in Erinnerung bleiben. 

Wie lief der Tag ab? 

Am Vormittag stand noch eine Trainingseinheit an, bevor wir uns am Abend gegen 18 Uhr getroffen haben. Danach ging alles Schritt für Schritt weiter. Transport, organisatorische Abläufe und Abstimmungen nehmen einiges an Zeit in Anspruch. Es gehört viel Warten dazu. Gleichzeitig ist eine besondere Spannung spürbar. Alle sind voller Vorfreude und warten auf diesen einen Moment, wenn es endlich losgeht. 

Wo reihen sich die Olympischen Spiele in den Erlebnissen deiner bisherigen Karriere ein?  

Sehr weit oben. Als Sportler träumt man immer davon, einmal an Olympischen Spielen teilzunehmen. Dieses Erlebnis nun selbst erfahren zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Für mich gehört es definitiv zu den prägendsten Momenten meiner bisherigen Karriere. 

Hast du dir persönliche Ziele für das Turnier gesteckt? 

Mein Ziel ist es, meine bestmögliche Leistung abzurufen und mein bestes Eishockey zu spielen. Bei einem Turnier wie diesem möchte man alles, was man sich erarbeitet hat, auf den Punkt abliefern. Gleichzeitig möchte ich dem Team in jeder Situation helfen, unabhängig davon, in welcher Rolle ich gebraucht werde. 

Ihr trefft in der Vorrunde auf Lettland, Dänemark und die USA. Wie schätzt du die Gruppe ein? 

Es ist eine starke Gruppe und jeder Gegner ist ernst zu nehmen. Über die Qualität der USA muss man nicht viele Worte verlieren. Aber auch Dänemark und Lettland verfügen über starke Spieler mit viel NHL-Erfahrung. Bei Olympischen Spielen gibt es kein leichtes Spiel. Deshalb müssen wir von Anfang an konzentriert und bereit sein. 

Wenn man weiß, dass auf der anderen Seite bei Teams wie den USA oder Kanada kaum mehr Qualität auf dem Eis stehen kann, löst das dann den klassischen David-gegen-Goliath-Gedanke aus? 

Auf dem Papier ist man gegen die USA oder Kanada mit Sicherheit der Außenseiter. Dennoch haben auch wir inzwischen viel Qualität im Kader. Wir müssen uns vor niemandem verstecken. Entscheidend wird sein, dass wir als geschlossene Einheit auftreten und unser Spiel konsequent umsetzen. 

Du hast eingangs die mannschaftliche Geschlossenheit und den Willen von 2018 angesprochen. Werden diese Tugenden auch dieses Mal wieder entscheidend sein? 

Die Qualität bei Olympischen Spielen ist extrem hoch. In diesem Jahr vielleicht noch einmal auf einem anderen Niveau. Natürlich braucht es spielerische Klasse, aber am Ende entscheiden oft Einsatzbereitschaft, Zusammenhalt und Mentalität. Kampfgeist und Arbeitsmoral werden auch diesmal wichtige Faktoren sein. 

Wie nimmst du die Gegebenheiten vor Ort wahr? 

Im Olympischen Dorf ist alles vorhanden, was man benötigt. Die Organisation funktioniert gut und die Abläufe sind klar strukturiert. Nach ein paar Tagen könnte das Essen etwas abwechslungsreicher sein, aber insgesamt stimmen die Bedingungen. Das Eis war qualitativ nicht optimal, dennoch betrifft das alle Teams gleichermaßen. Insgesamt sind die Gegebenheiten vor Ort ganz gut. 

Was wäre für dich ein erfolgreiches Olympia-Turnier, unabhängig von Medaillen? 

Ein erfolgreiches Turnier bedeutet für mich, dass wir unsere Ziele konsequent umsetzen und einen guten Start hinlegen. Wenn wir uns eine stabile Ausgangsposition erarbeiten und als Team von Spiel zu Spiel wachsen, dann haben wir viel richtig gemacht. Wir müssen unser Potenzial abrufen, dann sehen wir, wohin uns das führt.