14.05.2026

Michaelis: „Deutsche Tugenden ins Spiel bringen“

Michaelis: „Deutsche Tugenden ins Spiel bringen“

Marc Michaelis ist neben Maxi Franzreb, Leon Gawanke, Alex Ehl und Videocoach Florian Keinz einer von fünf Adlern, deren Saison mit der anstehenden Weltmeisterschaft in der Schweiz einen weiteren Höhepunkt findet. Die ohnehin schon intensive und lange Spielzeit 2025/26 geht für das Quintett also in die Verlängerung. Vor dem Turnier in Zürich und Fribourg haben wir mit unserem Kapitän über seinen Fitnesszustand, seine Lehren aus der Vergangenheit und die Erwartungen an die Austragungsorte gesprochen.

Marc, Ligaspielbetrieb, Deutschland Cup, Olympische Spiele und jetzt noch die Weltmeisterschaft. Wie viel Saft ist denn überhaupt noch im Tank?

Natürlich noch einiges. (lacht) Deshalb habe ich mich auch bereit erklärt, für Deutschland an diesem Turnier teilzunehmen. Ich liebe diesen Sport, und solange das der Fall ist, stellt sich diese Frage für mich eigentlich nicht.

Du wirst auf weit mehr als 80 Spiele in dieser Saison kommen. Wie geht man körperlich und mental mit einer solchen Belastung um?

Eine intensive Vorbereitung im Sommer hilft dabei, sich bestmöglich auf eine solche Saison vorzubereiten. Außerdem hatte ich in diesem Jahr auch Glück mit Verletzungen. Ich bin davon weitestgehend verschont geblieben. Mental geht es darum, mit den vielen Eindrücken und Ereignissen richtig umzugehen, sie möglichst schnell zu verarbeiten und positiv zu bleiben. Mit der notwendigen Leidenschaft fällt es zudem leichter, immer wieder die nötige Energie und Lust aufzubringen.

Du bist auch im Kreise der Nationalmannschaft einer der Führungsspieler. Welche Aufgaben ergeben sich daraus?

Auch wenn der Kern der Nationalmannschaft ähnlich ist wie bei vergangenen Weltmeisterschaften, ist es trotzdem immer wieder eine neue Gruppe. Die größte Aufgabe ist es, diese Truppe innerhalb kürzester Zeit zusammenzubringen, ein Team zu formen und nicht nur auf dem Eis, sondern auch abseits davon eine geschlossene Einheit zu sein. 

Du hast selbst in der Schweiz gespielt, welche Erwartungen hast du von den Spielstätten in Zürich und Fribourg?

Eishockey hat in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Wenn dort eine Weltmeisterschaft ausgetragen wird, bekommt das noch einmal eine besondere Bedeutung. Ich glaube, dass viele Fans in den Hallen sein werden und die Stimmung in beiden Städten großartig sein wird. Es sind zwei moderne Arenen, in denen es enorm viel Spaß macht zu spielen. Ich denke, es wird ein sehr schönes Turnier für alle Beteiligten.

Welche Lehren habt ihr aus dem Olympischen Turnier gezogen und wie wollt ihr diese umsetzen?

Ich glaube, man kann die beiden Turniere nicht direkt miteinander vergleichen. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, unsere deutschen Tugenden ins Spiel zu bringen. Das heißt: harte Arbeit und eine klare Struktur. Wenn die Basis bei uns stimmt, dann können wir erfolgreiches Eishockey spielen.

Wie würdest du die Zusammenstellung des aktuellen Kaders beschreiben?

Insgesamt sind wir eine sehr ausgewogene und ehrliche Mannschaft. Wir haben in der Verteidigung schnelle und technisch versierte Spieler, aber auch Defensivverteidiger. Vorne haben wir Jungs, die sehr verlässlich mit nach hinten arbeiten, aber auch offensiv den Unterschied ausmachen können. Im Tor sind wir ohnehin gut aufgestellt.

Was ist in so einem Turnier entscheidend, um erfolgreich zu sein?

In erster Linie geht es darum, auf unser eigenes Spielsystem zu vertrauen. Natürlich gewinnst du ein Turnier nicht in den ersten Spielen, du kannst es dort aber durchaus schon verlieren. Eine Weltmeisterschaft ist lang, mit vielen Gruppenspielen. Entscheidend ist, dass man sich schnell findet und gemeinsam hart arbeitet. Wenn das gelingt, kommen die Ergebnisse meist von selbst.

Gibt es einen Gegner in der Vorrunde, auf den du dich besonders freust?

Natürlich ist das Spiel gegen die Schweiz als Gastgeber dieser Weltmeisterschaft etwas Besonderes. Die Stimmung wird bei dieser Partie noch einmal elektrisierender sein, darauf freue ich mich sehr. Auch das Eröffnungsspiel gegen Finnland wird sehr interessant werden. 

Welche Ziele habt ihr euch für dieses Turnier gesetzt?

Unser Ziel ist es natürlich, ins Viertelfinale zu kommen. Wenn wir es schaffen, eine der größeren Mannschaften in der Gruppenphase zu ärgern, wäre das umso besser. Und im Viertelfinale weiß man ohnehin nie, was passiert. Aber grundsätzlich wäre ich zufrieden, wenn wir das Viertelfinale erreichen.