Nieleck: „Wollte was mit einer Ausrüstung machen“
Mit Lennard Nieleck haben die Adler Mannheim einen jungen und zugleich aufstrebenden Stürmer verpflichtet. Im Interview spricht der 22-Jährige darüber, wie er zum Eishockey kam, seinen bisherigen Karriereweg, sowie seine Erwartungen an die neue Herausforderung in Mannheim.
Lennard, wo erreichen wir dich gerade?
Ich bin aktuell noch bei meiner Familie in Dortmund. Wir genießen die freien Tage, bevor es am Wochenende endgültig nach Mannheim geht, um einzuziehen und alles einzurichten.
Du stammst gebürtig aus Witten in Nordrhein-Westfalen – eigentlich eher eine Fußball-Hochburg. Wie kam es dazu, dass du dich dennoch für Eishockey entschieden hast?
Mein Vater war Soldat, deshalb haben wir drei Jahre in den USA gelebt. Dort bin ich mit American Football in Berührung gekommen und wollte im Anschluss unbedingt eine Sportart mit Körperkontakt und Ausrüstung machen. Für American Football musste man in Deutschland damals aber mindestens 14 Jahre alt sein, deshalb bin ich letztlich beim Eishockey gelandet – das kam dem am nächsten.
Und wenn doch mal Fußball läuft, wirst du vermutlich die Borussia aus Dortmund anfeuern, oder?
Da sprichst du tatsächlich etwas an. (lacht) Das ist bei uns gemischt. Mein Vater ist gebürtiger Münchner und ein richtiges Münchner Kindl, während meine Mutter aus Dortmund kommt. Früh haben mein Bruder und ich deshalb eher Sympathien für den FC Bayern entwickelt. International halten wir natürlich zu den deutschen Teams, aber wenn Bundesliga läuft, wird bei uns meistens Bayern geschaut.
Bereits mit 14 Jahren bist du von zuhause ausgezogen und an die Red Bull Akademie gewechselt. Wie prägend war dieser Schritt für dich persönlich und sportlich?
Das war definitiv keine einfache Zeit. Sportlich gab es viele Höhen und Tiefen, und persönlich war es schwierig, so jung von der Familie weg zu sein und plötzlich allein klarzukommen. Manche kommen damit leichter zurecht, für mich war das anfangs hart. Trotzdem habe ich unglaublich viel daraus gelernt. Rückblickend hat mich diese Zeit stärker gemacht – sowohl als Mensch als auch als Spieler.
Du gehörst zu einem Jahrgang mit Spielern wie Phillip Sinn, Justin Büsing oder Robin van Calster, die ebenfalls bereits Einsätze in der PENNY DEL gesammelt haben. Motiviert dich das zusätzlich, sich in dieser Liga als gestandener Profi zu etablieren?
Natürlich freut man sich, wenn man sieht, wie ehemalige Mitspieler ihren Weg gehen. Phillip hat sich beispielsweise in München etabliert und sogar WM-Einsätze bekommen. Aber am Ende geht jeder seinen eigenen Weg. Meiner war bisher vielleicht nicht immer geradlinig und dauert etwas länger, aber genau diesen Weg möchte ich weitergehen. Mein Ziel ist ganz klar, mich als gestandener DEL-Spieler zu etablieren.
In der Saison 2023/24 gelangen dir in der Oberliga jeweils 15 Tore und Vorlagen aus 33 Spielen. War das rückblickend eine richtungsweisende Spielzeit für deine Entwicklung?
Definitiv, aber nicht allein wegen der Zahlen. In Hamm habe ich extrem viel Vertrauen vom Trainer bekommen, durfte in der ersten Reihe spielen und viel Eiszeit sammeln. Das hat mir enorm geholfen, Selbstvertrauen aufzubauen und mich offensiv weiterzuentwickeln. Diese Saison war sicherlich ein wichtiger Schritt auf meinem Weg.
Als zweitbester Scorer der Lausitzer Füchse hast du in der vergangenen Spielzeit deine starke Entwicklung bestätigt. Würdest du sagen, dass sich darin deine harte Arbeit der vergangenen Jahre widerspiegeln?
Ich habe mich in Weißwasser vom ersten Tag wohlgefühlt. Der Standort ist ideal für junge Spieler, weil man dort auch Fehler machen darf und trotzdem Vertrauen bekommt. Durch die viele Eiszeit und die Verantwortung konnte ich mich enorm weiterentwickeln. Für mich war der Schritt von Iserlohn in die DEL2 im Nachhinein genau richtig. Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um mehrere nach vorne machen zu können.
Ende der vergangenen Saison bist du zum Team der Eisbären Berlin gestoßen. Wie hast du diese intensive Phase erlebt?
Das ging alles unglaublich schnell. Nach unserem Playoff-Aus mit Weißwasser stand erst eine Verletzungsdiagnose im Raum, die sich aber als harmlos herausgestellt hatte. Noch am selben Tag bin ich nach Berlin gefahren, habe einmal mittrainiert und stand im nächsten Spiel direkt im Kader. Die Atmosphäre der DEL-Playoffs zu erleben und am Ende sogar deutscher Meister zu werden, war natürlich unglaublich. Damit hätte ich vor der Saison niemals gerechnet.
Gemeinsam mit Jake Hildebrand wechselst du nun aus Berlin nach Mannheim. Gibt es darüber hinaus weitere Verbindungen zu Spielern aus dem aktuellen Adler-Kader?
Mit Yannick Proske habe ich kurz in Iserlohn zusammengespielt, und Maxi Heim kenne ich noch aus der Jugend. Gegen viele andere Spieler habe ich natürlich schon gespielt, aber persönlich kenne ich bisher noch nicht so viele.
Du kannst sowohl als Mittel- als auch als Außenstürmer eingesetzt werden. Auf welcher Position fühlst du dich wohler und was zeichnet dein Spiel besonders aus?
Das ist für mich tatsächlich relativ egal. Als Center habe ich defensivere Aufgaben und versuche, das Spiel stärker zu lenken. Auf dem Flügel kann ich offensiver denken und mehr kreieren. Ich sehe mich grundsätzlich als spielerischen Offensivspieler mit gutem Schuss und gutem Auge für meine Mitspieler. Gerade rund ums gegnerische Tor habe ich ein gutes Gefühl dafür, wo ich stehen muss.
Mit 1,94 Metern Körpergröße bringst du ideale körperliche Voraussetzungen mit. Inwiefern hilft dir das in deinem Spiel?
Natürlich hilft die Reichweite enorm, sowohl offensiv als auch defensiv. Ich kann Pässe besser abfangen, Scheiben besser behaupten und Räume schaffen. Gerade rund ums Tor kann ich meinen Körper gut einsetzen, um die Scheibe zu schützen.
Verbirgt sich hinter deiner Rückennummer 72 eine besondere Bedeutung?
Eigentlich hatte ich immer die 25, welche in Mannheim bekanntlich unter dem Hallendach hängt. Weil mein Vater 1972 geboren ist, habe ich mich für die 72 entschieden. Aus diesem Grund hat die Nummer für mich auch eine persönliche Bedeutung.
Wie verbringst du deine Zeit abseits des Eises? Welchen Hobbys oder Interessen gehst du nach?
Ich bin seit etwa zwei Jahren leidenschaftlicher Golfer. Ob mit Freunden oder meinem Bruder, ich versuche so häufig wie möglich zu spielen. Ansonsten gehe ich in meiner freien Zeit gerne einen Kaffee trinken, spiele Padel oder verbringe Zeit mit Freunden.



