Das athletische Profil
Es sind weitaus mehr als nur Werte, Daten oder irgendwelche Zahlen. Aus ihnen lassen sich fundierte Aussagen über das Leistungsvermögen eines Sportlers in den Bereichen Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit treffen. Die Rede ist vom sogenannten Profiling. An diesem Montagvormittag standen diese Messungen erneut im Reha-Zentrum der TSG Hoffenheim auf dem Programm, um ein athletisches Profil jedes einzelnen Spielers zu erstellen.
Schweiß – zweifellos eine Begleiterscheinung des Sommers oder sportlicher Aktivitäten. Als am Montag mehrere Spieler unserer Adler Oberkörper- und Unterkörpermuskelgruppentests, Laufbandbelastungen mit Laktatmessung sowie Sprunganalysen absolvierten, waren ihnen die Schweißperlen deutlich anzusehen. Das Ziel dieser Tests ist schnell erklärt: „Letztendlich wollen wir wissen, wo sich die Schwachstellen beziehungsweise Potenziale eines jeden Spielers befinden, um ihn in diesen Bereichen mit einem individuell angepassten Trainingsplan bestmöglich unterstützen und fördern zu können“, so Jörn Krebs, Athletiktrainer unserer Adler.
Die Ermittlung der eigenen Stärken und Potenzialbereiche sowie die gezielte Arbeit an individuellen Schwachpunkten bringt zugleich einige Vorteile mit sich. So wird neben einer gesteigerten Leistungsfähigkeit auch die Verletzungsanfälligkeit der Spieler reduziert. „Wenn wir zum Beispiel feststellen, dass jemand im Bereich der Adduktoren deutlich schwächer ist, dann ist das ein Ansatz, dort gezielt etwas mehr zu machen“, veranschaulicht Krebs und verweist auf den positiven Trend sinkender Verletzungszahlen in der jüngeren Vergangenheit. Dabei dienen die erhobenen Daten längst nicht mehr nur der Momentaufnahme. Vielmehr ermöglichen sie einen detaillierten Blick auf die Entwicklung eines Spielers über mehrere Jahre hinweg.
Eine stetige Entwicklung
Besonders spannend wird dabei der Blick auf die diesjährigen Ergebnisse. Schließlich liegt hinter unseren Adlern eine lange Saison mit zahlreichen Spielen. „Es kann sein, dass sich die langen Playoffs im Gesamtbild widerspiegeln werden, da bin ich selbst sehr gespannt. Wenn die Daten vorliegen, wird man das auf jeden Fall ablesen und beurteilen können. Im Moment kann ich das aber noch nicht sagen“, blickt Krebs voraus. Sicher ist jedoch: Die Daten liefern nicht nur Antworten auf die Frage, wo ein Spieler aktuell steht, sondern auch auf die Entwicklung. „Ich weiß, dass sich die meisten Spieler im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessert haben, zumindest war das zuletzt so. Nach jeder Saison waren sie im Vergleich zur Vorsaison besser.“
Doch nicht nur die Spieler entwickeln sich kontinuierlich weiter, sondern auch die Herangehensweise an die Leistungsdiagnostik. Während sich die Testbatterie in ihren Grundzügen bewährt hat, wurden einzelne Bereiche in den vergangenen Jahren gezielt ergänzt und die Auswertungen weiter verfeinert. „Was sich auf jeden Fall weiterentwickelt, ist der Automatisierungsgrad – also wie Daten eingegeben, verarbeitet und integriert werden. Außerdem haben wir eine weitere grafische Auswertung dazu genommen, weil sie aus meiner Sicht für die Spieler deutlich leichter zu verstehen ist“, erklärt Krebs. Dadurch lassen sich Zusammenhänge schneller erkennen und die gewonnenen Erkenntnisse noch gezielter in die tägliche Trainingsarbeit übertragen.
Am Ende geht es beim Profiling deshalb um weit mehr als um nackte Zahlen. Hinter jeder Messung, jedem Laufbandtest und jeder Kraftanalyse steht das Ziel, die Spieler besser zu verstehen und sie bestmöglich auf die bevorstehende Saison vorzubereiten. Oder wie Krebs es beschreibt: „Wir wollen eine Kultur schaffen, in der jeder Spieler wirklich offen auf diese Daten schaut und Lust hat, daran zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.“ So entsteht aus unzähligen Werten und Datensätzen am Ende genau das, worum es an diesem Montagvormittag in Hoffenheim ging: Das athletische Profil jedes einzelnen Spielers.



