Kühnhackl: „Mussten uns ständig anpassen“
Erfahrung, Gewinnermentalität, Spielintelligenz – Eigenschaften, die einen Spieler besonders wertvoll machen. Mit Tom Kühnhackl verfügen die Adler über genau diesen Spielertyp, dessen Bedeutung gerade in den Playoffs, der wichtigsten Phase der Saison, besonders zum Tragen kommt. Im Interview spricht der 34-Jährige über die Serie gegen Bremerhaven, den Einfluss der Fans und die bevorstehende Halbfinalserie gegen München.
Tom, ihr steht nach dem 4:1-Seriengewinn gegen Bremerhaven im Halbfinale. Wie eng war die Serie aus deiner Sicht?
Das Ergebnis wirkt vielleicht deutlich, aber die Serie war definitiv eng und umkämpft. Bremerhaven ist eine sehr gute Mannschaft, die uns in fünf Partien alles abverlangt hat. Wir haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt erzielt und konnten die Spiele deshalb für uns entscheiden. Jetzt freuen wir uns auf die Herausforderung gegen München, das wird wieder eine sehr intensive und spannende Serie.
Besonders in den Heimspielen wart ihr sehr souverän und konntet teils deutliche Siege einfahren. Ist das auch ein Zeichen für den Einfluss der Fans in einer vollen SAP Arena?
Wenn du zu Hause in eine Serie startest und mit einer solchen Choreo und dieser Stimmung empfangen wirst, pusht dich das schon vor Spielbeginn enorm. Wir können es kaum erwarten, dass es genauso weitergeht. Vor unseren Fans zu spielen, gibt uns unglaublich viel Energie. Sie können definitiv einen großen Einfluss auf unser Spiel haben.
Gab es den Moment, in dem ihr gespürt habt, dass die Serie zu euren Gunsten läuft?
Einen klaren Zeitpunkt gab es nicht. Man muss nur nach Schweden schauen: Dort lag eine Mannschaft zuletzt 3:0 vorne und hat die Serie am Ende noch mit 3:4 verloren. Das zeigt, dass man sich nie sicher fühlen darf. Wir haben versucht, uns in jedem Spiel eine Chance zu geben und sind einfach froh, dass wir weitergekommen sind.
War der Overtime-Sieg in Spiel zwei in Bremerhaven serienentscheidend?
Der Overtime-Sieg war enorm wichtig. Wenn du dein erstes Heimspiel gewinnst und auch auswärts in Bremerhaven – wo es sehr schwer zu spielen ist – erfolgreich bist, gehst du mit einer 2:0-Führung zurück. Das fühlt sich natürlich deutlich besser an, als den Serienausgleich hinnehmen zu müssen. Trotzdem wussten wir, dass wir uns für jedes Spiel neu vorbereiten müssen. In Spiel drei sind wir sehr gut gestartet, was uns zusätzlich Selbstvertrauen gegeben hat.
Euer mannschaftlicher Zusammenhalt war sehr auffällig. Ist das der Schlüssel in den Playoffs?
Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Faktor. Aber du brauchst in den Playoffs auch ein kurzes Gedächtnis. Egal, ob dein letzter Wechsel gut oder schlecht war, du musst ihn sofort abhaken und dich auf den nächsten konzentrieren. Wenn jemand einen Schuss blockt oder eine starke Aktion hat, dann unterstützt man sich gegenseitig, klopft sich ab oder feuert sich an. Mannschaftliche Geschlossenheit gehört also dazu. Wir müssen uns gegenseitig pushen, fordern und so besser machen.
Eine eurer Stärken ist die Unberechenbarkeit – viele Spieler treffen. Wie wichtig ist das?
Wir haben vier ausgeglichene Reihen, in denen jeder seine Rolle kennt und annimmt. Jeder kann seinen Beitrag leisten, indem er in die Zweikämpfe geht und sich durchsetzt. Gleichzeitig wissen wir, dass wir offensiv stets im Stande sind, Chancen zu kreieren. In den Playoffs fallen oft weniger „schöne“ Tore, sondern eher die dreckigen – also direkt vor dem Tor oder durch Nachschüsse.
Was nehmt ihr aus der Serie gegen Bremerhaven mit ins Halbfinale?
Unsere Special Teams haben gut funktioniert, und wir hatten offensiv viele gute Phasen. In den Playoffs hast du weniger Zeit und Raum, deshalb musst du deine Chancen konsequent nutzen. Genau das haben wir größtenteils gut gemacht und das wird auch im Halbfinale entscheidend sein.
Ihr hattet ein paar Tage zur Vorbereitung, wusstet aber zunächst nicht, auf wen ihr trefft. Wie geht man damit um?
Das ist immer eine spannende Phase. München ist ein interessanter Gegner, auch für mich persönlich, weil meine Familie die Spiele vor Ort verfolgen kann. Das macht die Serie noch einmal spezieller für mich.
Du hast in dieser Saison verletzungsbedingt noch nicht gegen München gespielt. Worauf kommt es deiner Meinung nach dennoch an?
München ist seit Jahren eine extrem starke und offensiv ausgerichtete Mannschaft. Das haben sie auch in der Serie gegen Ingolstadt unter Beweis gestellt. Deshalb dürfen wir ihnen keinen Raum lassen und müssen ihre Torchancen minimieren. Gerade im Powerplay sind sie sehr gefährlich, vor allem ihre erste Formation ist hervorragend eingespielt.



